Konzept

Vom Steinbruch zum Entenweiher

Der Mühleggweiher in St.Georgen gehört seit dem 19. Jahrhundert der Stadt St.Gallen. Entstanden ist er vermutlich durch Aufschüttung eines verlassenen Steinbruchs. Der Name lässt es erahnen: Früher brachte das Wasser die Räder der umliegenden Mühlen in Schwung. Und ab 1873 wurden bis zur vollständigen Elektrifizierung die Dampflokomotiven unten am Bahnhof mit Wasser versorgt. 1914 wurde der Weiher erstmals mit Wasservögeln belebt; seither bevölkern Zierenten der verschiedensten Arten den Weiher. Für Generationen von St.Gallerinnen und St.Gallern, und vor allem für die Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers St.Georgen, war und ist der Mühleggweiher mit einer vielfältigen Entenschar ein äusserst beliebter Anziehungspunkt und Teil des Naherholungsgebiets der Stadt. Mitte der neunziger Jahre hat der Quartierverein St.Georgen von der Volièregesellschaft die Verantwortung für die gefiederten Bewohner auf dem Weiher übernommen. Eine „Arbeitsgruppe Mühleggweiher“ ist zuständig für die bauliche Infrastruktur und die Fütterung und Pflege der Enten (zur Geschichte des Mühleggweihers: Théo Buff, Rolf Kretzer, „Stadt St.Gallen: Weiher als Lebensräume“, Verlagsgemeinschaft St.Gallen (VGS), St.Gallen 2000, S. 66 ff.).

Keine Chance für Fuchs, Katze, Marder & Co.

Der Mühleggweiher ist zwar eingezäunt. Trotzdem ist es Füchsen, Katzen und Mardern in der Vergangenheit immer wieder gelungen, neugierige Enten, die sich zu weit vom Wasser weg gewagt hat, zu erwischen. Fast ein Drittel aller Enten sind pro Jahr Opfer ihrer natürlichen Feinde geworden. Abgänge sind in den vergangenen zwei, drei Jahren nicht mehr ersetzt worden sind. Vom ursprünglichen Bestand von rund 20 Enten hatten sich nur der Moschuserpel „Amadeus“ und der Kappensäger „Mickey“ behaupten können. Dazu leben je nach Jahreszeit eine kleinere oder grössere Schar wilder Stockenten auf dem Weiher.

Der Quartierverein St.Georgen hat anfangs Mai 2009 ein Projektteam eingesetzt mit den St.Geörglern Hans Martin Schibli, beruflich Direktionssekretär Inneres und Finanzen der Stadt St.Gallen, Leitung, und Werner Ruppeiner, Bäckermeister in St.Georgen. Ihr Auftrag: Ein neues Konzept für die Gestaltung des Weihers und die Fütterung vorzulegen. In vielen Gesprächen mit den früheren Leitern der Arbeitsgruppe Mühleggweiher, mit dem Direktor der Volière im Stadtpark, mit Vertretern der Nestweihergesellschaft, Mitarbeitenden der Stadt St.Gallen, mit dem Ziergeflügelzüchter Bernard Raymann in St.Gallenkappel und mit zwei Biologen der Vogelwarte Sempach ist ein neues Konzept für den Mühleggweiher entstanden. Das Gartenbauamt der Stadt St.Gallen legte nach Rodungs- und Pflegearbeiten im Weihergelände im südlichen Teil eine Blumenwiese an und erstellte ein Holzdeck. Das neu gestaltete Gelände dient den Enten als geschützter Rückzugsort. Ein engmaschiger Zaun von zwei Metern Höhe, ebenfalls im Süden des Weihergrundstücks, soll Füchse, Katzen und Marder abhalten. Im Wasser selbst sind die Enten ohnehin sicher. Die Arbeiten sind im Frühsommer 2010 abgeschlossen werden. Am 18. Juni ist der teilweise neu gestaltete Weiher im Beisein von gegen 250 Gästen eingeweiht worden. An diesem Anlass wurden 15 junge Zierenten in den Weiher eingesetzt.

Eine Volière als geschützter Futterplatz

Die Fütterungsgewohnheiten von Zierenten haben sich im Verlauf der Jahre geändert. (Altes) Brot wird aus ornithologischer Sicht wegen des Salzgehalts und nicht ausreichender Nährstoffe seit langem nicht mehr empfohlen. Zudem führen absinkende Brotstücke zu einer unerwünschten Verschlammung des Weihers. Es macht deshalb Sinn, den Enten Spezialfutter aus Körnern und mit hohem Rohfaseranteil zu geben, das alle wichtigen Nährstoffe enthält. Zudem sollen die Enten an einem geschützten und gedeckten Platz ihr Futter beziehen können. Aus diesem Grunde wurde - wie schon im Nestweiher im Riethüsli - eine Futtervolière eingerichtet, die für die Enten auf dem Wasserweg erreichbar ist. So ist ein problemloses und sicheres Füttern der Tiere mit Spezialfutter möglich. Die Volière kann auch dazu dienen, nötigenfalls eine Ente einzufangen, die bspw. medizinischer Betreuung bedarf.

Die Arbeitsgruppe Mühleggweiher: Isabel Bänziger-Weidmann, Giuliana Baumann, Fiona Bosshart, Laura Cortese, Kina Kunz, Hans Martin Schibli, Roland Stieger, Urs Willi